In der Krise Grösse zeigen
Von
Martin Läubli
28.05.2010
Das Leck
in der gebrochenen Ölleitung der gesunkenen
Plattform Deepwater Horizon ist zumindest vorübergehend gestopft. Doch die Krise ist geblieben.
Ohnmächtig musste die US-Regierung während Wochen zusehen, wie der Ölkonzern
BP ohne Rettungsplan agierte. Sie suchte
politischen Schutz, indem sie die Schuld
BP und den Aufsichtsbehörden früherer
Regierungen zuschob. Der US-Präsident gewinnt
aus dieser passiven Haltung heraus nicht an Ansehen.
Barack
Obama versprach seinen Wählern Fortschritte in der Umweltpolitik. Dafür reicht
es nicht, zu versichern, dass die Schuldigen den Schaden bezahlen müssen. Obama will Visionär sein. Dazu müsste
er nun ein Thema ansprechen, das der ehemalige Präsident
George Bush senior am Umweltgipfel in Rio de Janeiro
1992 zum Tabu erklärt hatte: «Über den amerikanischen Lebensstil wird nicht verhandelt.» Obama hätte nun die Chance, diese Debatte über
die ökologische Vernunft zu führen.
Er muss die Bevölkerung überzeugen, dass die Ölkatastrophe mit der unbändigen Nachfrage nach Energie zu tun
hat und weitere Bohrungszulassungen
in sensiblen Küstengebieten
unverantwortlich wären. Die
USA verschwenden pro Kopf weltweit
nach wie vor am meisten Energie. Er müsste
argumentieren, dass sich saubere Energieformen
auszahlen, weil
die Folgen von Erdölkatastrophen
und der Erderwärmung durch die Verbrennung dieser Brennstoffe letztlich unbezahlbar sind.
Wie der Kampf
gegen den Terrorismus, so müsste der konsequente
Weg zu einem
ungefährlichen Energiesystem
erste Priorität der Regierung Obama werden. Dazu bräuchte es ein Energiegesetz, das ökologische und soziale Risiken im Energiepreis
verrechnet. Es bräuchte das neue Klimagesetz, das der Senat immer noch
nicht behandelt hat und das
den kommenden Klimaverhandlungen
neuen Schub verleihen würde.
Nächste Woche beginnen
in Bonn die Vorgespräche für
die Klimakonferenz in Mexiko
im Dezember. Nichts deutet auf einen wirklichen Fortschritt gegenüber den mageren Resultaten des Klimagipfels von Kopenhagen hin. Barack Obama könnte ein
Zeichen setzen, wenn er in der
Krise Grösse zeigt.