Die Fratze des Bösen

 

Von Thomas Spang

 

Das Batman-Massaker von Aurora hinterlässt einmal mehr Trauer, Wut und Ratlosigkeit über den sinnlosen Tod von zwölf Menschen und dem Leiden unzähliger anderer. Wie konnte das passieren? Wäre die Bluttat mit strengeren Waffengesetzen in den Vereinigten Staaten vermeidbar gewesen? Hätte man die dunkle Seite des Täters früher erkennen können? Und wie lässt sich so etwas in Zukunft verhindern? Es sind immer dieselben Fragen, die sich nach solchen Wahnsinnstaten stellen. Von dem Schulmassaker im benachbarten Littleton über das Blutbad an der Virginia Tech in Blacksburg bis hin zu dem Morden in Tuscon, Arizona.

 

Längst haben solche Ereignisse nicht bloß in den USA ihren Platz. Sie gehören leider auch in Europa zur Realität. Ob bei den Schulmassakern in Erfurt und , Winnenenden oder vor ziemlich genau einem Jahr in Norwegen, als in Oslo und auf der Insel Utøya 77 Menschen starben. Was den 24-jährigen James Holmes in Aurora motiviert haben könnte, ist bisher ungeklärt. Wenn er um den anstehenden Jahrestag des Massakers in Norwegen gewusst hat, könnte dies der Hinweis auf irgendeine verrückte Ideologie sein. Vielleicht handelte es sich um einen geistig Kranken. Oder um jemanden, der persönliche Rachegelüste befriedigte. Die kommenden Tage werden über die Motivlage Aufschluss geben.

 

Eines lässt sich aber schon jetzt sagen. Verhindern lassen sich solche Bluttaten nicht. Insbesondere dann nicht, wenn sie von so genannteneinsamen Wölfengeplant und ausgeführt werden. Außer Wachsamkeit der eigenen Umwelt gegenüber gibt es keinen wirklichen Schutz dagegen. Das ist die frustrierende Erkenntnis der langen Blutspur, die sich durch verschiedene Kontinente, Zeiten und Gesellschaften zieht. So verständlich der Wunsch ist, Erklärungen zu finden, so sehr muss man sich davor hüten, simplen Reflexen zu erliegen. Wie etwa die Behauptung, strengere Waffengesetze könnten Amokläufer stoppen. Die Erfahrungen in Ländern wie Deutschland, die solche Gesetze haben, liefern dafür keinen Anhaltspunkt.

 

Rigidere Regeln für den Besitz von Waffen helfen in erster Linie, tödliche Unfälle zu vermeiden. Deshalb wird es in den USA höchste Zeit, den Waffenkult zu beenden und den Zugang zu Schießeisen zu erschweren.

 

Doch zu allem entschlossene Kriminelle, Irre oder Terroristen lassen sich so nicht stoppen. Die Wahrheit ist, dass sich Ereignisse wie in Aurora wiederholen werden. In den USA, in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder irgendeinem anderen Ort auf dieser Welt. So sprachlos und betroffen das auch jedes Mal macht, so wenig wird sich daran ändern lassen. Es ist die Realität des Bösen, das in solchen Momenten seine hässliche Fratze zeigt.