Die faschistische Internationale auf dem Vormarsch
Irgendwie ist
dem Autor (und auch allen anderen)
bei den islamistischen Anschlägen von Paris völlig entgangen, dass diese perfekt im
Vorfeld der französischen Regionalwahlen lagen. Zufall? Kaum. Denn Faschisten
profitieren davon, wenn andere Faschisten
auch gewinnen - selbst wenn sie
sich gegenseitig hassen.
Es darf sich niemand etwas
vor machen. Islamisten sind
eine echte, tödliche Gefahr, waren es schon
seit Jahren. Die Anschläge von 2001 waren der Startschuss im westlichen Bewusstsein
dieses Irrsinns, der sich seither perfekt
bei denen vermarktet, die entweder Verlierer sind,
oder sich als solche fühlen.
Alle faschistischen Ideologien basieren auf einer klaren Definition der Zu- und Nicht-Zugehörigkeit
und Islamismus ist
eine faschistische Ideologie. Sie kommt einfach
in einem religiösen Mäntelchen daher.
Ein ähnliches
Mäntelchen hatten sich ja schon die Nazis geschneidert, aus Versatzstücken von nordischer und christlicher Mythologie, pseudowissenschaftlichen
Theorien und ein wenig des damals populären Sozialdarwinismus. Das ganze sieht
im Rückblick ziemlich lächerlich aus, aber immerhin
reichte es für einen Weltkrieg,
mehrere Genozide, diverse Parteitage in Nürnberg und, auch heute noch,
für dumpfbackige Neo-Nazis.
Selbst die links-faschistischen
Stalinisten verpackten ihren Mordwahn in pseudoreligiöse Gefässe und stilisierten Marx und Engels zu den Anti-Göttern der Neuzeit herauf,
mit Stalin als
ihrem Propheten. Seine Zeit als
Priesterschüler war für Herrn Dschugaschwili definitiv keine Verschwendung.
Doch gegenüber diesen Mordbuben haben die Islamisten der DAESH einen entscheidenden
Vorteil: Sie können sich auf Jahrhunderte alten Irrsinn berufen, denn «heilige Bücher»
haben den zweifelhaften Vorteil, alleinig durch ihre langzeitige
Präsenz als
wertvoller und wahrer zu gelten als
neuer Stuss. Dabei haben sich
diese Machwerke vor allem darin
bewährt, jenen, die in ihrem Namen Macht
anstreben, als
Rechtfertigung für brutale Machtergreifung und noch brutalere Machterhaltung zu dienen. Sie sind jeweils der Zweck, der
alle Mittel rechtfertigt, wie barbarisch diese auch sein mögen.
Faschistische Ideologien bieten all jenen, die sich benachteiligt fühlen (nochmals: es geht
hier ums fühlen, nicht ums sein), eine geistig-pseudospirituelle oder ethnisch-blutundbodenaromatisierte
Heimat, die mit einem eingebauten Überlegenheitsgefühl einher geht und einer Rechtfertigung zur totalen Konfrontation im Dienste eines
höheren «Guten» daher kommt.
Dabei ist es vor allem wichtig,
einen klaren Feind zu haben.
Dies gilt sowohl für
National- als auch für Religionsfaschisten.
Denn die Nahrung dieser Gruppen ist Angst und Hass. Sind die Fronten erst einmal
klar, nähren sie sich gegenseitig
und in Zeiten der Angst werden Differenzierungen, welche von deren Vertretern gehasst und als Schwäche
verdammt werden, von immer mehr Menschen
zur Seite gewischt.
Die
Morde von Paris fanden weniger als
einen Monat vor den französischen Regionalwahlen statt. Zufall?
Oder sind die Planer von DAESH,
welche die Klaviatur der Online-Propaganda perfekt zu spielen vermögen,
clever genug gewesen zu erkennen, dass
solche Anschläge, zeitlich optimiert gesetzt, über den unmittelbaren Schrecken hinaus auch noch
langfristiges politisches Kapital abwerfen könnten? Kapital in Form von radikalisierten Institutionen und
Volksvertretern, welche die
Polarisation, die Konfrontation
voran treiben würden, die beide Seiten für mehr
Nachwuchs so sehr brauchen?
Vorbilder
dafür gibt es genug. So ist es zum Beispiel völlig
klar, dass in Israel die Palästinenser-Organisationen vor Parlamentswahlen vermehrt Anschläge und Raketenangriffe verüben. Die perfekte Wahlhilfe für israelische
Hardliner. Und nun bekam in Frankreich
Marine LePen's Front National den entscheidenden
Schub durch die DAESH-Terroristen.
Es
soll sich niemand etwas vormachen:
Faschisten brauchen Feindbilder; besser noch: Echte Feinde.
Und auch wenn diese sich spinne
Feind sind,
so profitieren sie voneinander. Egal wie sie heissen:
Baghdadi, LePen, Bin Laden oder Trump, Wirathu, Hitler
oder Franco, sie brauchten und brauchen Angst und Polarisierung, um noch stärker zu werden.
Und
wie gut dies funktioniert, zeigt der Vormarsch
der faschistischen internationalen, vereint in Hass und Unversöhnlichkeit.