Das Leistungsprinzip für Politiker?
Ein Amerikanischer Komödiant Andy Borowitz hat in einem seiner extrem
witzigen Artikel auf seiner Website «Borowitz-Report»
in einer Satire die Vision eines
Gesetzes heraufbeschworen, nach dem Volksvertreter
nur noch auf Grund ihrer Leistungen
bezahlt würden.
15. Jul 2011
Die fiktiven
Reaktionen führender Politiker auf diesen Gesetzesvorschlag standen denn auch im
Zentrum der Satire: «Das würde ja
bedeuten, dass Arbeitsgruppen eingesetzt würden, die bewerten, ob man etwas geleistet hat und dann hätte ich
ernsthafte Probleme!», lässt Borowitz den Republikaner Eric Cantor sagen
und John Boehner, momentan der
grösste Gegner von Präsident Obama, wird fiktiv mit: «Leistungsstandards
für Parlamentarier sind eine Beleidigung
für den Kongress - wir haben doch
nicht Millionen ausgegeben - teilweise sogar das eigene
Geld - um hier hinein gewählt zu werden,
nur um eine Behandlung wie zum Beispiel Lehrer zu erfahren!» zitiert.
Das traurige daran ist wohl,
dass einer solche Idee mit
genau dieser Reaktion begegnet würde, denn die Politik wird immer
noch als einer Art Kunst betrieben, die vor allem darin besteht,
die Differenz zwischen schönen Worten und suboptimaler Realität zu verwischen und dem Druck, dem
Wähler auf die nächste Wahl
hin zu gefallen,
begriffen. Und in der Demokratie bekommen scheinbar genau jene von den Wählern die Stimmen, welche diesen Jonglierakt am besten beherrschen.
Dabei kann es
traurigerweise auch sehr dienlich sein,
das Gegenteil von Leistung zu erbringen
und eine solche konkret zu verhindern
und kindische Illusionen der Stimmbürger zu fördern. Nehmen
wir nur einmal
den Klimawandel, der von
den Politikern weniger als ein im
Alltag verwurzeltes
Problem, sondern Primär als ideologische Waffe benützt wurde.
Auf der
linken Seite wurden jeweils die extremsten, von Forschern entworfenen Szenarien als apokalyptische Vision, die in
der nächsten Zukunft eintreffen würden, verbreitet, auf der rechten hingegen
das ganze Thema als eine
Verschwörung von eitlen Forschern bezeichnet. Die einen forderten sofortige, harte Einschränkungen bei der Mobilität, beim Konsum und bei der generellen
Lebensführung, die anderen hingegen wollen mit Kürzungen der
Budgets unliebsamer Forscher,
diese und ihre «Propaganda»
Mundtot machen. Die meiste Energie wurde dabei dafür
aufgewendet, ideologische Standpunkte zu verbreiten, wobei es die Kontrahenten es einem nicht
einfach machen, nicht automatisch in diesen Konflikt hinein gezogen zu werden.
Sekundiert werden die Politiker jeweils von ihren Anhängern, die sich lautstark in Foren breit machen
und durch die ad Infinitum betriebene
Wiederholung von einseitigen,
vielfach falschen Argumenten (unter bewusstem Ignorieren neuer Erkenntnisse) den Eindruck erwecken, dass die Realität sich gefälligst mit den Ansichten der Politiker und nicht die Politiker sich mit der
Realität auseinander zu setzen hätten.
Das Resultat dieser Schreiduelle auf jeder erdenklichen politischen Ebene: Meinungen übertrumpfen Fakten, Verhindern schlägt Gestalten, Konfrontation verhindert Kooperation.
Natürlich, Kontroversen sind wichtig auf dem Weg zur
demokratischen Meinungsfindung.
Aber sobald sich Politiker aus rein ideologischen Gründen Fakten verweigern (Gewisse Bankgeschäfte sind der Weltwirtschaft schädlich, Betrug ist in der Sozialhilfe
ein Problem, CO2 trägt zur Erwärmung des Klimas bei, Sexuelle
Orientierung ist keine Sache der
Auswahl, etc.), werden Lösungen von Problemen und Sachfragen in der Politik verunmöglicht.
Die Leistungsverweigerung
ist so zum Primat der Politik
geworden, «unbequeme Charaktere» glauben, dass es reiche,
für andere lästig zu sein
und nicht, dass das positive «unbequem» vor allem bei
sich selbst beginnen muss und nicht dort, wo einfach
das erreichen eines Ziels verhindert
wird.
Vielleicht wäre die leistungsabhängige Zahlung von Politikern wirklich eine Idee, die es verdient hätte,
aus dem Reich der Satire in die Wirklichkeit geholt zu werden.
Doch das bleibt vermutlich ein frommer Traum,
denn wer entscheidet über solche Gesetze. Genau. Die Politiker.