Rohrbruch im Haus McCain

von Patrik Etschmayer / Donnerstag, 16. Oktober 2008

So, die letzte Debatte ist vorbei und es sieht immer noch nicht besser aus für John McCain. Im Vorfeld der gestrigen Auseinandersetzung hatte McCain noch angekündet, in Obamas Hintern zu treten... auch wenn er das Wort so nicht benutzte. Man konnte also gespannt sein, ob es ihm gelingen würde, seinem Gegner einen entscheidenden Schlagoder Tritt? - zu versetzen.

Doch der einzige solche Versuch, den er startete und der irgendeinen Erfolg versprach, war Joe, der Klempner. Nein, nicht Bob der Baumeister. Joe the Plumber ist ein Klempner aus Ohio, der das Geschäft, in dem er arbeitet, kaufen will und unter dem von Barack Obama vorgeschlagenen neuen Steuergesetz etwa $ 1000.-- mehr zahlen würde.

McCain versuchte anhand dieses Beispiels, das er mehr als zwanzig mal erwähnte (solange bis sogar die Zuschauer im Studio verächtlich schnaubten), zu zeigen, dass Obama die Kleinfirmen der USA zerstören würde, blendete dabei aber aus, dass die meisten US-Amerikaner (laut Obama 95% - nach unabhängigen Erhebungen 81%) profitieren und bei Joe vermutlich mehr ausgeben würden.

Doch so sehr sich McCain auch bemühte, er schaffte es einfach nicht, Obama als die Bedrohung für die USA darzustellen, als die er ihn gerne gezeigt hätte. Denn Obama wirkte meist einfach entspannt und souverän. Er konterte praktisch jeden Angriff von McCain, entlarvte manche von dessen Attacken mit einfachen Richtigstellungen als haltlos und andere als normale Differenzen zwischen politischen Kontrahenten.

Es ging so hin und her... aber vor allem hin. Denn McCain kam einem vor wie ein Angreifer, der mit untauglichen Mitteln versucht, eine Festung einzunehmen und bei jeder Attacke eine neue Schramme, eine weitere Blessur einfängt, während der Verteidiger lächelnd von seinem Wehrturm hinunter blickt.

Auch McCain schien das zu bemerken. Nach seiner Start-Offensive, in der er Joe den Klempner mit vollem Furor in die Schlacht geworfen hatte, wurde es McCain scheinbar immer klarer, dass seine Angriffe Obama nicht aus dem Konzept zu bringen vermochten – was ihn wiederum selbst aus der Bahn warf. Dies zeigte sich vor allem an seinen unmotivierten Zwischenrufen und Unterbrechungen, wenn Obama sprach.

Man stelle sich vor, ein US-Präsident sitzt bei einer Konferenz mit anderen Führern der Welt und beginnt verächtlich bei Bemerkungen anderer Staatsführer mit unterschiedlichen Standpunkten zu schnauben oder sogar Einwürfe zu machen. McCain zeichnete hier ein Bild von sich, dass niemand wirklich mögen kann – das Bild eines Mannes, der nicht souverän ist, eines Mannes, der seine Beherrschung im wichtigsten Moment verliert. McCain, der alte Haudegen, schaffte es nicht, das zu vermitteln, was man an erfahrenen Menschen am meisten schätzt: Abgeklärtheit und Souveränität.

Vielleicht liegt es daran, dass es eigentlich nicht sein Stil ist, so aggressiv und fanatisch zu handeln, wie seine Wahlkampf-Berater es verlangen. Vielleicht liegt es daran, dass er nicht nur gegen Obama, sondern auch immer gegen den gegenwärtigen Präsidenten Bush aus seiner eigenen Partei antreten muss... vielleicht aber auch daran, dass er einfach nicht für einen Job geschaffen ist, der einen kühlen Kopf und grosse Selbstbeherrschung auch in extremsten Stresssituationen verlangt.

Die Wahl ist noch nicht vorbei, die Schlacht noch nicht geschlagen. Doch wenn McCains Wahlkampf ein Haus wäre, dann würde diese letzte Debatte wohl einen kapitalen Wasserrohrbruch darstellen. Und nicht mal Joe der Klempner kann das auf die Schnelle reparieren.