W mit
XX
von Patrik Etschmayer / Montag,
15. September 2008
Wer eine Frau in der Politik kritisiert
und zudem männlichen Geschlechts ist,
setzt sich sehr schnell dem
Generalverdacht aus, sexistisch und chauvinistisch zu sein.
Geschenkt – lange
genug basierte viel Kritik an Frauen auf Kriterien, die – mit gleicher Stringenz auf Männer angewandt – zur Forderung nach
Massenrücktritten hätten führen müssen.
Doch – so schmerzhaft dies auch für manche
Feministinnen sein mag – Unfähigkeit und unethisches Handeln sind keineswegs auf das männliche Geschlecht beschränkt und die meist höhere soziale Kompetenz von Frauen führt auch dazu, dass
Frauen – wenn Sie denn wollen – besser
flunkern als die meisten Männer. In der Politik eine Kernkompetenz.
Es sollte
– wenn Kritiker weiblicher Politiker angegriffen werden, darum sehr genau
betrachtet werden, worin die Kritik besteht und wer «Sexismus!» schreit.
Eine
geradezu absurde Situation besteht in dieser Hinsicht nun im US-Wahlkampf. Seit die Ultra-Konservative Sarah
Palin als Running Mate von
John McCain auserkoren wurde.
Schon bevor an Palin konkrete Kritik ausgeübt worden war, wurden Bemerkungen, die in keinem direkten Zusammenhang mit ihr standen,
von der konservativen
McCain-Wahlkampfmaschine als
sexistisch und unfair gebrandmarkt.
Man könnte
geradezu glauben, dass diese Frau, die sich in ihrer Bürgermeisterzeit
für die Zensur und Entfernung von Büchern aus der lokalen
Bibliothek eingesetzt hatte, die nach ihrer Wahl zur Gouverneurin alte Schulkollegen ohne jegliche Qualifikation in Regierungsämter berief, die Mail-Adressen aus der
staatlichen Datenbank für politische Propagandaaktionen benutzte, die persönliche statt der offiziellen Mail Adresse für offizielle
Korrespondenz benutzte (ganz im Stil
der Bush-Regierung, da solche Mails viel schlechter offen gelegt und so schmutzige Geschäfte besser versteckt werden können), die sich unter der
Bezeichnung «special assistant to the governor» eine Assistentin anstellte, die vor allem als Babysitterin
arbeitet und fast US$ 70'000.-- an Steuergeldern im Jahr verdient, die in einer ultra-konservativen Kirche Mitglied und fanatische Gegnerin von Abtreibung, Sexualaufklärung und Familienplanung ist, dass diese Vettern-
und Cousinenwirtschafterin eine
leuchtende Figur für Frauen in der Politik wäre, die anzugreifen gleichzeitig einen Angriff auf Frauen im allgemeinen darstelle.
Dabei ist
sie genau das Gegenteil. Entfernt man die beiden X-Chromosomen und betrachtet Palin als ein Neutrum, bleibt
nur etwas übrig: ein machtgieriger,
in einem von selbst ausgelesenen Jasagern bevölkerten Universum lebender Politiker, der bei sich
selbst und in seinen Entscheidungen keinen Fehler sehen kann
und will und der alle Leute mit abweichenden
Meinungen als politische Feinde betrachtet, nicht zuletzt, weil er
sich auf einer Mission von Gott sieht, die Welt zu ändern.
Und hier
ist des Rätsels
Lösung; sowohl für die Wahl von Palin, deren Popularität bei den Konservativen und ihre Gefährlichkeit: Sie ist eine weibliche
Version von George W. Bush, ein W mit
zwei X, sozusagen. Sollte McCain integer und überparteilich
sein (obwohl auch dies erheblich bezweifelt werden darf), dann wäre
Palin die Garantie, dass zumindest ein Teil
der Regierung im gleichen Clan-Denken versinken würde, welche bereits
die Bush-Administration völlig Beratungs-resistent
gemacht hat.
Dass ausgerechnet die – wenn es um politische
Gegner geht – auch vor keiner
sexistischen Zote zurückschreckenden Ultra-Konservativen
als einzige Verteidigungslinie bei jedem erdenklichen Angriff auf Palin nur mit dem Vorwurf
des Sexismus zu kontern vermögen, ist bezeichnend. Der Trost, dass
Palin «nur» Vizepräsidentin
wäre, zählt auch nicht wirklich.
Auch wenn John McCain noch fit sei – er würde mit
73 als ältester
Präsident aller Zeiten sein Amt antreten... und nur einen Herzschlag davon entfernt würde W mit XX warten...