McCains gefährlicher Steinwurf
von Patrik Etschmayer
31. Juli
2008
Mitten in der Hitze des Sommers
scheint sich nun auch der US-Wahlkampf
aufzuheizen. Und sollte man gehofft
haben, dass dieser weniger gehässig und abstossend
als der Letzte
sein würde sieht sich bereits
enttäuscht.
Ausgerechnet John McCains Stab lancierte eine ziemlich gehässige Kampagne gegen Barack Obama. In Online-Videos wird der demokratische Kandidat auf eine Stufe mit Britney Spears und
Paris Hilton gestellt und als
hohle Celebrity-Nuss präsentiert, die blöde deutsche
Fans begeistert - eine Art politisches Äquivalent zu David Hasselhof.
Diese Art von Negativ-Kampagne
hat vor vier Jahren – mit den selben Leuten im
Hintergrund – bereits
George W. Bush erfolgreich angewandt,
als er
gegen John Kerry Wahlkampf führte. Doch die Ausgangslage ist
nun fundamental unterschiedlich. Zum
einen tritt kein amtierender Präsident gegen einen ziemlich unbekannten Demokraten mehr an, sondern
es sind zwei
neue Bewerber, die sich um das Amt streiten.
Zum
anderen steht in der demokratischen Ecke nicht mehr
der steife, immer sehr verkrampft
wirkende John Kerry, dessen
Anblick Assoziationen zu Herman Munster heraufbeschwor,
sondern ein redegewandter, dynamischer Charismatiker.
Einer, der die neuen Medien sehr
gut beherrscht, seine grosse
Stärke gerade dort hat. Die Basis-Bewegung, mit welcher
er seinen Vorwahlkampf via Internet finanzierte,
steht immer noch und er weiss
um seine Stärke auf diesem Gebiet.
John McCain auf der anderen Seite
ist einer,
der stolz von sich behauptet (wie auch manche
anderen Politiker), dass sie Internet und E-Mail nicht beherrschten. Es ist also anzunehmen, dass McCain die von seinem Wahlkampfteam gemachten Spots gar
nie auf einem Computer gesehen hat, sondern sie womöglich auf einer Videokassette bekam, um sie zu
Hause mit dem Magnavox-VHS-Recorder auf seinem
alten Zenith Fernseher (wer in den 80ern in einem US-Hotel
zu Gast war, weiss, was der Autor meint) zu
schauen.
Es wäre nicht erstaunlich,
wenn schon bald ein solches Video irgendwo auf YouTube auftauchen
und McCain so auf die Schippe nehmen
würde. Denn ein anderer
Vorwurf, der Obama in den
Videos von McCain gemacht wird,
ist, dass
er «out of touch» mit der Realität sei,
also irgendwo in einer Fantasiewelt schwebe, neben der Wirklichkeit
stehe.
Doch gerade McCain zeigt im Bezug
auf die Wirklichkeit einige
Schwächen. In einer Zeit, in der Cyber-Terrorismus, -Spionage und -Kriminalität zu einer immer grösseren
Bedrohung werden, wo Länder wie
China ganze Hacker-Armeen
auf den Westen ansetzen und
ein Zusammenbruch der IT-Infrastruktur Milliarden Dollars und Millionen Leben kosten könnte,
wäre es vielleicht
nicht schlecht, wenn der Präsident
der USA wenigstens eine rudimentäre Ahnung davon hätte,
worum es dabei geht.
Wenn McCain den Wahlkampf nun mit eine Negativ-Kampagne
lanciert, riskiert er einiges. Er
ist der,
der den ersten Stein wirft und er ist
keineswegs so Unangreifbar,
dass er damit
nicht eine Lawine auslösen könnte, die ihn am Ende selbst begraben
würde.