Die Untote
wankt weiter
von Patrik Etschmayer
Donnerstag, 24. April
2008
Ja, sie hat es geschafft.
Hillary Clinton bleibt im Rennen. Vor allem, weil sie kann. Es gibt keinen
Grund für sie zu glauben,
dass sie in den nächsten Primaries, die nicht in
Hillary-Staaten (weisse und
ältere Wähler) sein werden, auch
siegen oder
gar ihren Rückstand aufholen wird.
Vielmehr sieht es
so aus, als würde sie als
starke, aber trotzdem unterlegene Zweite an den Parteitag in Denver
kommen und dort die Superdelegierten abräumen wollen, jenen 800-köpfigen demokratische Parteiadel, der mit fast absoluter Sicherheit das letzte Wort zur
Nominierung von John McCains
Gegner sprechen muss. Doch mit welchem
Argument will Clinton diese Stimmen
auf sich ziehen? Einzig damit, dass sie
durchgehalten hat und eine Niederlage nie akzeptieren würde?
Und vielleicht
ist das
ja wirklich ein Killerargument. Denn viele Demokraten
in den USA erinnern sich noch an die letzten
Präsidentschaftswahlen, in denen
John Kerry - der Anwälte
und Freiwillige en masse hinter sich
geschart hatte, um Unregelmässigkeiten bei der Stimmenauszählung aufzudecken – einfach kampflos aufgab. Dies, obwohl es in Ohio zu grossen Diskrepanzen
gekommen war und die Demokraten
so womöglich zum zweiten Mal eine Wahl gegen George W. Bush verloren hatten, weil
die Stimmen falsch gezählt worden waren.
Eine bittere, unnachgiebige Kämpferin, die selbst am Boden liegend keinen Handbreit Terrain preisgibt, wäre womöglich wirklich eine Gegnerin
für John McCain, um in einem
solchen Fall auch um die letzte Stimme noch
einen Krieg vom Zaun brechen
würde.
Das Ziel der
nächsten Wahl sollte es sein, dass
es gar nie zu einem Hick-Hack um falsch gezählte Stimmen kommen wird. Wobei dies im Angesicht der
– auch bei den Primaries in
Pennsylvania – geradezu notorisch
regelmässig stattfindenden Unregelmässigkeiten bei US-Wahlen ein frommer
Wunsch sein dürfte. Fast schon als zynischer
Witz darf gewertet werden, das Clinton ausgerechnet in New
Hampshire und Pennsylvania gewonnen hat, zwei Staaten die unter Wahlkontrollgruppen wie Blackboxvoting als sehr schlecht
gelten, wenn es um die Mängel bei Wahlen geht.
Doch es ist fraglich, ob Clinton wirklich in einem Wahlkampf gegen John McCain bestehen könnte. Ihr Argument ist
ja, dass sie dessen Kernwählerschaft
stärker zu sich zu ziehen
vermag. Doch Obama schafft etwas anderes,
das Clinton nicht hinkriegt: Er mobilisiert
immer noch neue Wähler. Das
Clinton-Lager hat vor, einen
Teil von McCains Kuchen wegzunehmen, während Obama einen neuen Kuchen backen
würde.
Und genau
das will Clinton mit ihrem Abnützungskampf offenbar verhindern. Sie bot nie eine
neue Perspektive sondern nur Bewährtes
an. Dies hätte reichen sollen. Doch dann kam Obama
und verwandelte sie in einen Kandidaten-Zombie. Wenn man selbst nicht attraktiv genug ist, muss man den Gegner hässlicher machen und Obama übernimmt leider langsam gewisse Clintoneske Eigenschaften – die Bitterkeit
des Wahlkampfes färbt auch auf ihn ab,
wandelt auch ihn vom Charismatiker
langsam zum Polit-Zombie.
Hat Clinton damit Erfolg, wäre
es tatsächlich fraglich, ob Obama am Ende noch der bessere
Kandidat als
sie wäre. Doch den Nutzen daraus würden einzig
John McCain und die Republikaner ziehen.
Denn wenn dieser nur noch
gegen einen demokratischen Untoten antreten müsste, wären die Spiesse wieder gleichlang und die Wähler könnten sich zu Recht
Fragen, wo
denn der lang ersehnte Wechsel
noch zu finden
sei.