Fronten verhärtet

 

Jakub Adamowicz

 

Rund 47 Tage vor dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen haben EU und Japan bindende Emissionsreduktionsziele, die USA und Australien sind weit davon entfernt. Während China (Emissionsreduktion und Aufforstung) und Brasilien (Verlangsamung der Regenwald-Rodung) substanzielle Kompromissbereitschaft erkennen lassen, halten andere Schwellenländer (darunter Indien) unverändert an minimalistischen Positionen fest.

 

Strittig ist auch die Form des Kioto-Nachfolgeabkommens: Eine umfassende Einigung hätte den womöglich entscheidenden Vorteil, die klimapolitischen Interessen von Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern zu bündeln. Einzelne Abkommen für die drei Staatenkategorien könnten andererseits schnelleren sektoriellen Fortschritt ermöglichen, ohne etwa auf die Zustimmung des US-Senats warten zu müssen.

 

Doch der Schlüssel zum Weltklimaabkommen liegt im Washingtoner Kapitol. Dort haben aber Gesetze zur Gesundheitsreform und zur Regulierung des Finanzmarkts Priorität. Dies kann zu einem Gipfel unvollkommener Verbindlichkeiten führen. Das wäre bedauerlich, aber nicht fatal. Obamas Gesetzesvorschläge liegen auf dem Tisch: Auf Basis von 2005 17 Prozent weniger Emissionen bis 2020 und 83 Prozent weniger Emissionen bis 2050. Auf Basis dieser Zahlen sollte in Kopenhagen eine umfassende Einigung erzielt werden, der sich der US-Senat im Nachhinein nur schwerlich entziehen könnte.