Das
Video vom Tod zweier Reporter illustriert nur lange bekannte
Tatsachen
Konrad
Kramar
Nun starren
also Millionen weltweit auf
ein SchwarzWeiß-Video, das
die grausame Ermordung von zwölf Menschen im Irak zeigt
- kommentiert im flapsig-menschenverachtenden Soldaten-Slang.
Wieder einmal setzen Bilder eine
späte Welle der Empörung über
längst bekannte Tatsachen in Gang.
Von Beginn
an forderten die Kriege im Irak
und in Afghanistan das Leben Tausender
Unschuldiger. Unaufhörlich geraten dort Frauen und Kinder unter Feuer. Doch
all diese Schrecken sind kalkulierbare Folgen eines Guerillakriegs.
Es ist ein Kampf gegen einen
Feind, der aus der lokalen
Bevölkerung entsteht und wieder in ihr aufgeht.
Die Grenzen zwischen Zivilisten und Kämpfern sind fließend. Man muss schon hartnäckig an die Propaganda der Militärs glauben, um bis heute anzunehmen,
dass gerade diese Kriege nicht
schmutzig sind, dass überforderte Soldaten in ihnen nicht automatisch verhängnisvolle Fehler begehen.
Verantwortung
Ein Verdrängungsmechanismus, der alle modernen
Waffengänge begleitet. Einfach weil jede
Krieg führende Nation von der
moralischen Verantwortung für das Töten überfordert
ist - sich daher nur zu
gerne von der Propaganda belügen lässt.
Im Vietnamkrieg waren es Fotos,
heute sind es Videos im Internet, die diese Lügengebäude zuletzt einstürzen lassen. Damals wie heute setzt
viel zu spät
eine Diskussion über den Krieg ein - Zehntausende Menschenleben zu spät. Es gibt
Argumente für und gegen einen Krieg, doch die sollte man von Anfang an auf einer anderen Basis austauschen: Nämlich mit dem
Wissen, dass man als Regierung, als Nation, als Demokratie für den Tod, auch von Unschuldigen,
verantwortlich sein wird.