Todesstrafe ohne Urteil
Von
Dietmar Ostermann
Im vorigen Sommer
sorgte Barack Obamas neuer CIA-Chef Leon Panetta für Schlagzeilen, als er sich öffentlich
über streng geheime Pläne seiner Vorgänger empörte, Mordkommandos auf mutmaßliche US-Feinde anzusetzen. Er habe das Programm
gestoppt, sobald er davon erfuhr,
ließ Panetta wissen.
Washington horchte auf: Legt
Obama jetzt auch den Geheimdienst an die Kette, nachdem er Folter
verboten, die Schließung des Gefangenenlagers
Guantánamo Bay angeordnet und das Unwort
vom "Krieg gegen den
Terror" auf den Index gesetzt hatte?
Inzwischen weiß man, dass der neue
US-Präsident auch bei der Jagd
auf mutmaßliche Terroristen
so etwas wie einen Mittelweg fährt. Einige Exzesse
wurden abgestellt, andere Programme fortgesetzt. Dazu zählen jene Tötungslisten,
die Militär und Geheimdienst
führen. Mit dem radikalen Prediger
und mutmaßlichen El-Kaida-Gefährten
Anwar al-Awlaki hat die Obama-Regierung
nun offenbar sogar einen US-Bürger zum Abschuss freigegeben.
Das gab es, beteuern ehemalige Beamte, die es wissen müssen,
selbst unter George W. Bush
nicht. Ins Visier nehmen dürfte die CIA den im Jemen abgetauchten
Al-Awlaki nicht mittels der riskanten
Kommandooperationen am Boden,
die Panetta abgeschafft hat, sondern
mit Raketen aus der Luft.
Vor allem in Pakistan töten US-Drohnen seit Obamas Amtsantritt
mehr denn je, auch unbeteiligte Zivilisten.
Was sagt
das aus über diesen US-Präsidenten? Dass der Vorwurf
amerikanischer Hardliner, er
sei ein naives Weichei, absurd ist. Leider auch, dass
Obama bei weitem nicht alle Hoffnungen
erfüllt, die Menschenrechtler
in ihn gesetzt haben mögen.