Viel Spaß für
Obama
VON STEPHAN HEBEL
Der aussichtsreichste Kandidat für die US-Präsidentschaft wird in dieser Woche bei uns
eine außenpolitische Grundsatzrede halten. Das ist ein Ausdruck großer Wertschätzung. Aber wer die deutsche Debatte über Barack Obamas Auftritt verfolgt, landet bei einem
anderen und fast noch überraschenderen Ergebnis: Vielleicht kommt der Kandidat deshalb
so gern zu uns, weil
es hier besonders
viel zu lachen
gibt.
Wohl nirgendwo sonst würde mit derart
putzigem Ernst über den richtigen Ort für eine Ansprache diskutiert. Das Neueste: Einige Politiker der zweiten bis dritten Reihe haben entdeckt,
dass die Siegessäule, vor der Obama reden
will, eine kriegerische Vergangenheit besitzt, von der Nazizeit ganz
zu schweigen.
Wir empfehlen: sprengen! Nicht nur die Siegessäule! Berlin war auch Hitlers
Hauptstadt, einen historisch unbelasteten Platz werden wir
nicht finden. Und im Bewusstsein
der deutschen Geschichte zu sprechen, das trauen wir Obama offenbar nicht zu.
Vielleicht
sollten wir Bonn wieder zur Hauptstadt
machen. Das ist so klein wie der Horizont
unserer Debatte. Und historisch relativ
unbelastet.