Afghanische Zahlenspiele

 

VON BURKHARD VON PAPPENHEIM

 

Das Dementi des Verteidigungsministers ist so schwach, dass es als Bestätigung gelten kann. Die Bundesregierung möchte mehr als die bisher vom Parlament genehmigten 3500 Soldaten nach Afghanistan entsenden. Das Mandat ist ausgeschöpft. Darum muss bei der Verlängerung im Herbst darüber gesprochen werden, ob die große Koalition es erweitert. Eine militärische Operation ist nicht sinnvoll zu führen, wenn die Befehlshaber stets genau die Soldaten zählen müssen. Ein bisschen Luft nach oben braucht die Bundeswehr in Afghanistan.

Allerdings: Wer mehr Soldaten an den Hindukusch schickt, muss auch darüber nachdenken, wann und wie sie dort wieder abgezogen werden. Hier entscheidet sich, ob die Nation über einen politisch vernünftigen und hilfreichen Einsatz debattiert oder über ein militärisches Abenteuer. Die Deutschen sind in ihrem Einsatzgebiet relativ erfolgreich.

Auch weil sie es militärisch einfacher haben als die Bündnispartner im umkämpften Süden. Aber nicht nur deswegen. Ihr Ansatz, das Land durch Hilfe zu stabilisieren, ist der richtige. Wenn er zusätzlich abgesichert werden muss, sollte die Bundeswehr das Mandat dafür bekommen - denn damit wächst die Hoffnung, dass die Soldaten in absehbarer Zeit das Land ganz verlassen können.

Das setzt allerdings eine gewisse Einigkeit in der Nato voraus. US-Verteidigungsminister Gates bringt mit seinen markigen Worten die Isaf-Operation in Verruf, denn er spricht viel vom Krieg und sehr wenig vom Frieden. Auch darum würden dauerhaft im Süden Afghanistans kämpfende deutsche Soldaten ihren Erfolg im Norden gefährden.