Bushs Botschaft verfängt nicht

 

Zwar ist die Führung des Iran in den Golfstaaten alles andere als beliebt. Aber sie wollen als Nachbarn und Handelspartner keine Konfrontation.

Von Michael Lüders

 

Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira übertrug sie am Sonntag live, die Grundsatzrede von US-Präsident George W. Bush auf seiner Reise durch die Golfstaaten. In Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, warnte er vor dem "weltweit größten Unterstützer des Terrors", dem Iran. Gleichzeitig sprach er von einer "Botschaft der Freiheit", für die sein Land stehe. Das ausgewählte Publikum, darunter die gesamte Staatsführung der Emirate, spendete artig Beifall - danach wird man die Rede zu den Akten gelegt haben. Nicht allein, weil Präsident Bush auch in den Golfstaaten als Auslaufmodell und "lahme Ente" gilt. Glaubwürdigkeit besitzt er dort wie in der übrigen arabischen Welt schon lange nicht mehr. Die Schwierigkeiten in Afghanistan, das Desaster im Irak, ein Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern, der diesen Namen nicht verdient: die Führung der Golfstaaten und die breite Öffentlichkeit machen dafür vor allem die Politik der Regierung Bush verantwortlich.

Vor diesem Hintergrund kann die "Botschaft der Freiheit" nicht verfangen. Auch Washingtons Obsession mit Teheran teilen die Golfstaaten nicht. Zwar ist die schiitische, zu Radikalität neigende Führung Irans auch in den mehrheitlich sunnitischen Golfstaaten alles andere als beliebt. Entscheidend ist aber, dass Saudi-Arabien, der große Rivale Irans in der Führung der islamischen Welt, nicht auf Konfrontation mit Teheran setzt, sondern auf Koexistenz. Mit anderen Worten: Riad ist bereit, den Iran als gleichberechtigte und gleichwertige Mittelmacht in der Region anzuerkennen. Genau das wollen die USA und Israel verhindern, ohne allerdings zu wissen wie.

Die Golfstaaten sind die unmittelbaren Nachbarn Irans. Nichts fürchten sie mehr als einen weiteren Krieg, der die Region zusätzlich destabilisiert. Hinzu kommen die engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Iran und den Golfstaaten. Mehr als die Hälfte seines Außenhandels jenseits von Erdöl und Erdgas wickelt Teheran über die Häfen der Emirate ab. Hunderttausende Iraner leben allein in Dubai und Abu Dhabi. Diese enge Verflechtung der Wirtschaft ist ein zusätzlicher Grund, warum Teheran das Säbelrasseln aus Washington zunehmend ignoriert.

Die Golfstaaten sind konservativ. Sie legen großen Wert auf gute Beziehungen zu den USA, von denen sie in Verteidigungsfragen abhängig sind. Niemals würden sie einen Bruch mit Washington anstreben. Stattdessen betreiben sie, allen voran Saudi-Arabien, eine Korrektur ihrer Außenpolitik, um die einseitige Abhängigkeit von Washington zu überwinden. Die russische Regierung erlebt gegenwärtig eine Charmeoffensive aus den Golfstaaten, auch China und Indien werden hofiert. Ziel ist, den Einfluss der Hegemonialmacht USA zu relativieren, ohne nach außen hin Kritik am wichtigsten Verbündeten zu üben.

Ein wahrer Meister in der Kunst dieses politischen Spagats ist der Herrscher von Katar, Scheich Hamad Bin Chalifa Al-Thani. Einerseits hat der den US-Streitkräften fast den gesamten Westteil des Landes überlassen. Dort werden die Kriege im Irak und in Afghanistan koordiniert. Andererseits hat er parallel dazu 1996 den Nachrichtensender Al-Dschasira ins Leben gerufen, der nicht gerade als US-freundlich gilt.