Deutsche Banken entdecken die Freiheit
Leitartikel
Die US-Steuerbehörden
sind berüchtigte Datensammler. Den hiesigen Geldinstituten ist der Wille vergangen,
deren kompliziertes Spiel mitzuspielen. Glückwunsch!
Wer schon mal ein Wertpapierdepot bei einer deutschen
Bank eröffnet hat, kennt das vielleicht: Da wird dann schon
gelegentlich abgefragt, ob
man denn seinen Wohnsitz in den USA hat oder eine Greencard besitzt. Die Zahl der US-Steuerformulare, die hiesige Institute für ihre Kundschaft bereithalten, ist schwindelerregend. Hinzu kommen die Querelen, die europäische Banken seit Jahren mit
den amerikanischen Steuerbehörden
haben. Immer geht es darum,
dass der amerikanische Fiskus weltweit Ansprüche gegen die eigenen Bürger durchsetzen will.
Wenn jetzt einige
europäische Geldinstitute zu dem Schluss
kommen, das Geschäft mit US-Kunden lohne sich
nicht, ist das nur allzu
verständlich. Zu hoch das Risiko,
plötzlich ins Visier der US-Steuerbehörden zu geraten wie
zuletzt einige Schweizer Banken. Und dann sind die Erträge
wohl zu niedrig,
jedenfalls gemessen am Verwaltungsaufwand, an den möglichen
Strafzahlungen und den anderen
juristischen Konsequenzen, wenn US-Vorschriften nicht berücksichtigt werden.
Es ist
deshalb richtig, wenn sich Europas
Banken von diesem Geschäft und diesen Kunden trennen. Zu lange haben
sie aus Angst vor dem mächtigen
Amerika eine Forderung nach der anderen erfüllt.
Jetzt haben sie die Vertragsfreiheit wiederentdeckt. Glückwunsch!
Für US-Bürger ist das zwar
eine klare Diskriminierung, aber eine, die von der eigenen Exekutive ausgeht. Denn der
Rauswurf ist eine Reaktion auf die amerikanischen Versuche, ausländische Banken zu Erfüllungsgehilfen der US-Steuerbehörden zu machen. Der Adressat für Beschwerden
sitzt deshalb in
Washington, nicht in Europa.
Klar ist aber
auch, dass die viel beschworene Globalisierung der Finanzmärkte alles andere als für
alle Zeiten ausgemacht ist. Ausgerechnet die USA, so zeigt
dieses Beispiel, könnten ihr Totengräber werden.