S&P feuert sinnvollen Warnschuss ab
Leitartikel Die Ratingagentur setzt ein dramatisches
Signal für die Märkte - zu Recht. Denn
die amerikanische Politik braucht den Druck von außen. Präsident Obama muss nun zeigen, dass seine Regierung handlungsfähig ist.
Das Signal ist dramatisch: Als erste große Ratingagentur
droht Standard & Poor's damit,
die Bonität der USA herabzustufen. Es ist nicht der erste
Warnschuss - angesichts der dramatischen Haushaltslage schlugen in den vergangenen Wochen bereits der Internationale
Währungsfonds und große Investoren wie die Anlagegesellschaft Pimco Alarm. Doch diese Warnung
rüttelt die Märkte am stärksten auf. Und das ist gut so.
Die Mahnungen
erzeugen äußeren Druck, den die US-Politik dringend braucht. Regierung und Kongress stehen sich zunehmend
unversöhnlich gegenüber - ein schlechtes Zeichen für die anstehenden Haushaltsverhandlungen.
Dabei wäre es höchste Zeit, sich auf einen maßvollen Mix aus Steuererhöhungen und Ausgabensenkungen
zu einigen. Nicht nur, um das
Haushaltsdefizit zu senken, sondern insbesondere, um die zunehmend nervösen Anleger zu beruhigen. Die US-Politik muss vor allem demonstrieren, dass sie überhaupt
noch handlungsfähig ist. Dass sie
ein Wundermittel gegen die hohe Schuldenlast entdeckt, erwartet niemand ernsthaft.
Ohne ein solches
politisches Signal kann die
Nervosität an den Märkten für die USA irgendwann zum Problem werden. Wenn Anleger
beginnen, höhere Renditen von US-Staatsanleihen zu verlangen, weil
sie nicht mehr überzeugt sind, dass der
amerikanische Staat seine erstklassige Zahlungsmoral für alle Zeit beibehalten
wird, verteuert sich die Schuldenaufnahme. Damit droht eine
Spirale nach unten: Höhere Kreditkosten
machen Sparbemühungen zunichte, die Nervosität wächst, was wiederum höhere Kreditkosten nach sich zieht.
Und wenn die Märkte erst einmal nervös
werden, das hat die europäische Schuldenkrise gezeigt, dann neigen
sie zu Übertreibungen.
Die USA sind
davon noch ein großes Stück
entfernt. Investoren zählen darauf, dass dieses systemrelevanteste aller Länder nicht
einfach zahlungsunfähig werden wird. Und sie setzen darauf,
dass die US-Zentralbank Fed
und China als größte Besitzer amerikanischer Anleihen alles tun werden, um deren Entwertung zu verhindern.
Die Fed steckt
dabei in einem Dilemma. Wenn sie auch
bei erstarkender Konjunktur weiter im großen Stil
Staatsanleihen aufkauft, könnte sie doch
irgendwann die Inflation anheizen
und so die Renditen für US-Anleihen in die Höhe treiben - mit den bekannten Folgen. Anleger sollten nicht glauben, dass die Ratingagenturen sie rechtzeitig vor einer Zuspitzung
der Lage in den USA warnen. Wie sie
erst wieder gezeigt haben, reagieren sie erst,
wenn die beunruhigenden Fakten schon längst
gut sichtbar auf dem Tisch liegen.