» Die
naive Amerikanerin «
von Andreas Theyssen (Davos)
US-Außenministerin Condoleezza Rice überrascht
beim Weltwirtschaftsforum
in Davos mit einem besonderen Beitrag - einem Plädoyer für mehr
Optimismus.
Was macht ein Amerikaner,
wenn er vermeiden
will, dass er für naiv gehalten
wird? Er sagt, dass man die Amerikaner ja
gerne für naiv hält. Und wenn ein Amerikaner
das in Old Europe sagt, dann bemüht er
ein Bismarck-Zitat, um eben dies zu belegen.
Genau das hat US-Außenministerin Condoleezza Rice am
Mittwochabend beim Weltwirtschaftsforum in Davos getan. Völlig zu recht.
Denn angesichts der Krisen in
In
der Diplomatie, sagt Rice, genüge es einfach nicht,
nur im Rahmen
des Möglichen zu agieren.
Man müsse darüber hinaus gehen, so wie ihr Mentor Henry Kissinger,
Richard Nixons legendärer Außenminister, es getan habe,
als er Anfang
der 70er Jahre die US-Beziehungen zur Volksrepublik
Das klingt naiv, bis Condoleezza Rice anfängt aufzulisten, wo Optimismus
ihrer Ansicht nach die Welt verändert hat. Die
Condoleezza
Rice leugnet nicht einmal, dass dieser
Optimismus Züge von imperialistischem Gutmenschentum
hat. Es liege im Wesen der
USA, dieses Streben nach Frieden, Freiheit und Freihandel nicht nur auf das eigene
Territorium zu beschränken, sondern auch andere Staaten
damit zu beglücken. Dabei mache man sicherlich Fehler, und für die anderen Staaten sei dies mitunter anstrengend. Aber da werden die Staaten
der Welt durch müssen. Denn, so Condoleezza Rices: "Unsere Ideale machen Amerikaner
ungeduldig."
Wie heißt noch das ständige Motto des Weltwirtschaftsforums? "Verpflichtet, den Zustand der Welt zu verbessern." Und das versucht
nun einmal jeder nach seiner Facon.