» Die naive Amerikanerin «

 

von Andreas Theyssen (Davos)

 

US-Außenministerin Condoleezza Rice überrascht beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit einem besonderen Beitrag - einem Plädoyer für mehr Optimismus.

 

Was macht ein Amerikaner, wenn er vermeiden will, dass er für naiv gehalten wird? Er sagt, dass man die Amerikaner ja gerne für naiv hält. Und wenn ein Amerikaner das in Old Europe sagt, dann bemüht er ein Bismarck-Zitat, um eben dies zu belegen.

Genau das hat US-Außenministerin Condoleezza Rice am Mittwochabend beim Weltwirtschaftsforum in Davos getan. Völlig zu recht. Denn angesichts der Krisen in Kenia, Pakistan, im Irak und an den Finanzmärkten sprach sie "über die Notwendigkeit von Optimismus", um alle diese Krisen bewältigen zu können. Denn ohne Optimismus und Vertrauen gehe es nicht. Und das klingt in der Tat erst einmal naiv.

 

In der Diplomatie, sagt Rice, genüge es einfach nicht, nur im Rahmen des Möglichen zu agieren. Man müsse darüber hinaus gehen, so wie ihr Mentor Henry Kissinger, Richard Nixons legendärer Außenminister, es getan habe, als er Anfang der 70er Jahre die US-Beziehungen zur Volksrepublik China normalisierte. So kommt sie zu dem Schluss, dass jede Herausforderung zu bewältigen sei, so lange man an sie mit Optimismus und Vertrauen herangehe. Und das sei ein Wesensmerkmal der US-Politik.

Das klingt naiv, bis Condoleezza Rice anfängt aufzulisten, wo Optimismus ihrer Ansicht nach die Welt verändert hat. Die USA sind "on speaking terms" mit dem einstigen Kriegsgegner Vietnam, ebenso mit dem einstigen Terrorpaten in Libyen. Japan, der einstige Angstgegner im Pazifik, sei heute für Amerika der demokratische Stabilisator in Ostasien. Dies alles sei nur möglich, weil die USA "keine Erzfeinde haben, denn sie kennen keinen dauerhaften Hass".

 

Condoleezza Rice leugnet nicht einmal, dass dieser Optimismus Züge von imperialistischem Gutmenschentum hat. Es liege im Wesen der USA, dieses Streben nach Frieden, Freiheit und Freihandel nicht nur auf das eigene Territorium zu beschränken, sondern auch andere Staaten damit zu beglücken. Dabei mache man sicherlich Fehler, und für die anderen Staaten sei dies mitunter anstrengend. Aber da werden die Staaten der Welt durch müssen. Denn, so Condoleezza Rices: "Unsere Ideale machen Amerikaner ungeduldig."

 

Wie heißt noch das ständige Motto des Weltwirtschaftsforums? "Verpflichtet, den Zustand der Welt zu verbessern." Und das versucht nun einmal jeder nach seiner Facon.