Der Westen findet seine Sprache wieder
von Martin Gehlen
Viel zu zaghaft
haben die Regierungen des Westens auf die Proteste in Iran
und die Antworten des Regimes bisher
reagiert. Das ändert sich endlich. Kommentar
Vergangene Woche noch
verfolgten die Staatskanzleien
des Westens die Ereignisse
in Teheran mit angehaltenem
Atem. US-Präsident Barack
Obama erzeugte sogar einiges Stirnrunzeln, als er keine
wirklichen Unterschiede zwischen Präsident Mahmud Ahmadineschad und seinem Herausforderer Mir Hussein Mussawi
mehr entdecken konnte.
Seit dem kompromisslosen
Auftritt des Obersten Religionsführers Ali Chamenei beim Freitagsgebet jedoch liegen solche
taktisch-verbalen Eiertänze
jetzt wohl hinter uns. Und endlich forderte nach Frankreich, Großbritannien und den USA auch Bundeskanzlerin Angela Merkel eine
Neuauszählung der Stimmen, nachdem sie noch am Freitag
bei ihrem Urteil über Chameneis
Kampfansage an das eigene
Volk über ein "recht enttäuschend" nicht hinausgekommen war.
Die Antwort
des iranischen Regimes ließ
nicht lange auf sich warten – ganz
auf der Linie der geopolitischen Lieblingsrolle Teherans. An allem sind das westliche Fernsehen und das Ausland Schuld. Und wenn das Land nicht umgeben wäre von finsteren Mächten, Spionen und omnipotenten Feinden, könnte man in aller Ruhe an
seiner "idealen Demokratie"
persisch-islamischer Gattung
weiterbauen.
Selbst ein angesehener
Mann wie Parlamentssprecher
Ali Laridschani weiß seit den Turbulenzen der letzten Tage
offenbar nicht mehr, in welche Richtung er zuerst
"Schande" rufen soll. Vor vier
Tagen protestierte er noch beim
Obersten Religionsführer gegen die nächtlichen Prügeleinsätze von dessen Schlägertrupps in Teheraner Studentenwohnheimen. Am Sonntag knüpfte
er sich dann
Deutschland, Frankreich und Großbritannien
vor, nachdem deren Regierungschefs genau diese Gewalt
des iranischen Regimes gegen
das eigene Volk verurteilt hatten.