Das Bankgeheimnis
war eine bürgerliche
Bastion
Von Michael Stürmer
2. April 2009
Der G-20-Gipfel hat das Bankgeheimnis
abgeschafft. Das ist ein Schlag gegen
bürgerliche Ideale. Es ist daran zu
erinnern, dass die totalitären Regime des 20. Jahrhunderts
jedes Bankgeheimnis kassierten, weil sie es als
Zelle bürgerlicher Resistenz betrachteten. Leider breitet sich der moderne
Steuerstaat hemmungslos aus.
Es gab
einmal ein Bankgeheimnis, und das beruhte
auf Vertrauen zwischen Bürger und Bank wie zwischen beiden und dem Staat. Unbetrauert
und ohne Nachruhm ist das Bankgeheimnis auf dem G-20-Gipfel ins Grab gesunken.
Mit ihm die Reste der bürgerlichen
Epoche.
Dieser Abschied ist Anlass zu
mehr als dem zynischen Achselzucken,
es sei ohnehin
der Datenschutz nichts als ein
leeres Wort, oder die unschuldige Bemerkung, man habe doch nichts zu
verbergen. Es ist daran zu erinnern,
dass die totalitären Regime
des 20. Jahrhunderts jedes Bankgeheimnis kassierten, weil sie es
als Zelle bürgerlicher Resistenz betrachteten. Leider aber hat der moderne
Steuerstaat die Tendenz, sich hemmungslos auszubreiten, jeden Lebensvorgang, oder nahezu jeden, zu
kontrollieren und die – Bismarcks
frühe Warnung zu zitieren – „misera contribuens plebs“ unter Generalverdacht zu stellen.
Steuern sind zu
zahlen, keine Frage. Man muss es ja nicht lächelnd
tun. Es reicht, dass der Staat
das Vertrauen, das ihm in steiler Progression finanziell übertragen wird, seinerseits durch verantwortlichen Umgang rechtfertigt. Das ist Grundlage der Legitimität.
Aber sie endet, wie das Bundesverfassungsgericht vor Jahren bereits feststellte, irgendwo an der Schwelle
zu 50 Prozent vom Einkommen.
Solange der Fiskus
sich als Verwalter von Vertrauen versteht und nicht als vorgesetzte Behörde, solange die Regierenden sich bewusst sind, dass
sie mit anvertrautem
Geld anderer Leute umgehen, und solange das Postulat der Gerechtigkeit
nicht Vorwand wird für schleichende
Enteignung, ist das alles recht und billig. Und so galt es auch in den frühen Jahren und Jahrzehnten der Bundesrepublik. Die Deutschen waren, anders als
diese oder jene Nachbarn, musterhaft in ihrer Gesetzestreue.
Der deutsche Finanzminister indes, getrieben von Geldnot und Umverteilungswillen, nutzte „Nine/Eleven“, den Druck
des amerikanischen Internal Revenue Service und die
Angst vor weltweitem Terror,
um die Reste des Bankgeheimnisses,
jedenfalls für Deutschland,
kalt zu beseitigen.
Die frei gewählten Abgeordneten des Deutschen Bundestags, die sich selbst nicht geringe,
dem Fiskus entzogene Pauschsummen bewilligten, wie sie sonst niemandem
zustehen, fügten zum Schaden den Spott hinzu und verabschiedeten das Ganze unter der Firma „Gesetz zur Förderung
der Steuerehrlichkeit“.
Bankgeschäft ist Vertrauenssache,
eine Spätblüte der Kultur. Nicht
umsonst sprechen wir von Banknoten und nicht von Staatsnoten. Dahinter steht die Erfahrung finanzieller Zusammenbrüche und sozialer Katastrophen. Dante versetzte in der „Göttlichen Komödie“ die Geldverschlechterer
in den untersten Kreis der Hölle. Zu
den vier Reitern der biblischen Apokalypse gehört neben Pest und Krieg die Teuerung.