Bringt Barack Obama
der Wind des Wandels?
Mit den Demokraten Barack Obama und dem Republikaner Mike Huckabee haben bei den Vorwahlen in Iowa zwei Kandidaten gewonnen, die Außenseitertums verkörpern. Beide geben vor, dem Volk näher zu stehen als
dem politischen Apparat. Obamas Erfolg überrascht.
Ob sich dahinter Substantielles verbirgt, muss sich noch zeigen.
Die
Vereinigten Staaten leisten sich ein
höchst kompliziertes Verfahren, um ihren Präsidenten zu ermitteln. Es verlangt den Kandidaten nicht nur eine unglaubliche
körperliche Leistung und das Vermögen ab,
viel Geld zu mobilisieren. Es bleibt auch eine schwankende
Angelegenheit: Wer heute gute Aussichten
hat, kann sie am nächsten Morgen
verloren haben. Der Augenblick und der Zufall sind entscheidend.
Die
Abstimmung in dem kleinen, fast nur von Weißen bewohnten Bundesstaat Iowa haben nun eine handfeste Überraschung beschert. Auf den ersten Blick sieht
es so aus, als hätten mit
dem Demokraten Barack Obama und dem Republikaner Mike Huckabee, zwei Kandidaten gewonnen, welche die in Amerika so geschätzte Tradition des politischen
Außenseitertums verkörpern:
zwei Persönlichkeiten, die
von draußen kommen und vorgeben, dem Volk näher zu stehen
als dem politischen
Apparat. Politik im Gewande der Antipolitik.
Daran mag etwas sein,
wie immer in Amerika. Etwas anderes ist erstaunlicher:
der klare Vorsprung von Barack Obama vor Hillary Clinton. Nicht der Sieg
an sich ist
bedeutend, sondern die Tatsache, dass sich schon beim
ersten Zug gezeigt hat: Obama gilt bei den Bürgern nicht als
der zwar sympathische, aber naive und vor allem im
Apparat unerfahrene Außenseiter.
Das Prunkende und Demokratisch-Monarchische,
das bis eben
noch als Hillary Clintons Vorteil galt, könnte
ihre Achillesferse werden. Dass sie polarisiert
und möglicherweise nicht mehr mobilisieren kann als die demokratische
Stammwählerschaft, ist schon lange geargwöhnt
worden. Nun kommt der Verdacht
hinzu, das Dynastische ihrer Kampagne könne ihr schwer zum
Nachteil gereichen.
Barack Obama hat nun so etwas wie Staatskontur gewonnen. Doch es ist noch
längst nicht bewiesen, dass sein Wind-of-change-Pathos trägt
und vor allem: dass sich hinter ihm etwas Substantielles
verbirgt. Hillary Clinton erinnert
auch an vergangene
ideologische Schlachten. Ein Barack Obama,
der nur für
eine Art Bürgerrechtsrevival
steht, könnte bald ebenfalls an gestern
erinnern.