14.12.2007 |
18:47 | MICHAEL PRÜLLER (Die Presse)
Pathos regiert in Bali.
Für den Weg zur wirklich
bedeutenden Kopenhagen-Konferenz
2009 wäre mehr Nüchternheit zu empfehlen.
Manchmal fragt man sich, warum die Garanten sinnvoller Klimapolitik gerade jene Berufs-Klimaretter sein sollen, die sich gerade wieder
in Bali mit großer Rührung selbst gefeiert haben. Was die Welt nämlich nicht braucht,
sind dümmliche
Vergleiche, wie die von Al
Gore angestellte Gleichsetzung
der Erderwärmung mit Adolf Hitler. Oder internationale
Vertragswerke, die mit heroischer Miene unterzeichnet und dann nicht im geringsten
eingehalten werden.
Vordringlich ist
ja keine weltweite Rettungseuphorie, sondern eine realistische
Übereinkunft der sechs größten CO2-Emittenten:
USA, China, EU, Russland, Indien
und Japan. Und dafür könnte
ein Blick auf Kyoto gute Dienste leisten:
ein Vertrag, den wesentliche Luftverschmutzer mit links unterzeichnen konnten, weil sie
damit zu gar keinen Reduktionen verpflichtet wurden (wie China und Indien) oder solche auf die leichte Schulter nehmen konnten (wie Russland, das
erst in den kommenden Jahren wieder kritische
CO2-Grenzen erreichen wird).
Da war die Haltung der USA ehrlicher, wobei man daran erinnern muss, dass nicht erst George Bush, sondern schon der
Senat unter Clinton und
Gore einstimmig (!) ein Abkommen abgelehnt hat, das große Player nicht bindend verpflichtet.
Wenn die Kopenhagen-Konferenz
2009, zu der Bali ja nur der Startschuss ist, was bringen soll, würden wir
uns eine wichtige atmosphärische Verbesserung wünschen: Nüchternheit statt Pathos. (S.
10)
michael.prueller@diepresse.com
("Die Presse",
Print-Ausgabe, 15.12.2007)